Der Fall Stoiber(s)

Ich bin enttäuscht. Gerade hatte ich Chips und Cola bereitgestellt, mich zurückgelehnt und freute mich auf den Fortgang des Dramas im bayrischen Tragödienstadl, da erklärt der Hauptdarsteller plötzlich, dass er nicht mehr mitspielen will.

Aber erfreulicherweise wimmelt es in der CSU förmlich vor vielversprechenden Talenten, die nur auf eine Chance gewartet haben, endlich eine Hauptrolle zu bekommen. Während das Casting von Beckstein für den Ministerpräsidentenposten unstrittig zu sein scheint, tut sich bei der Besetzung der Rolle des Großen Vorsitzenden ein neuer Handlungsstrang auf, der Kurzweil verspricht. Huber gegen Seehofer, Traditionalist gegen Querdenker. Die Truppen werden in Position gebracht, jede Äußerung eines mehr oder minder bedeutsamen Parteifunktionärs wird zu den eigenen Gunsten gedeutet oder, wenn das auch mit viel Phantasie nicht möglich ist, beleidigt kommentiert.

Heute nun schon wieder ein überraschender Schachzug, diesmal von Huber, der eine Dreierspitze für die CSU vorschlägt. Hatten wir das nicht schonmal? Ein Erfolgsmodell war sich ja nicht gerade, die seinerzeitige SPD-Troika aus Lafontaine, Scharping und Schröder. Aber sie hatte den Kontrahenten Zeit verschafft, ihre Mitbewerber von innen heraus abzusägen. Gar nicht so dumm, Erwin.

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