Rettet die Rente!

Der Vorschlag ist nicht neu, aber trotzdem schlägt er immer wieder große Wellen, sobald er geäußert wird: die Rente für Kinderlose sollte gekürzt werden. Dabei dürfte jeder Mensch, der noch halbwegs in Besitz seiner geistigen Kräfte ist, die Problemlage relativ schnell erkennen: unsere Gesellschaft altert, es gibt immer weniger Kinder und damit immer weniger künftige Beitragszahler. Auf der einen Seite haben wir Familien, die viel Zeit und Geld in ihre Kinder und damit in unsere Zukunftssicherung investieren. Auf der anderen Seite haben wir kinderlose Paare, die sich von ihrem doppelten Einkommen ein schönes Leben machen und sich ihre Rente später von den Kindern der anderen finanzieren lassen. Auf der einen Seite die Familien, die aufgrund geringerer Einkommen und höherer Kosten keinen Spielraum für eine zusätzliche private Altersvorsorge haben, und auf der anderen Seite die Kinderlosen, die als Rentner auch ohne private Zusatzvorsorge besser dastehen als Familien mit Kindern. Da sage mir mal einer, es sei nicht legitim, über eine Beseitigung dieser Schieflage nachzudenken!

Und was fällt unserem Vize-Merkel dazu ein? »Verrücktheit, abstruser Vorschlag« waren seine Worte, wenn die Medien ihn richtig zitieren. Wie wäre es denn mit einer etwas qualifizierteren Antwort, Herr Müntefering? Man kann ja durchaus kontrovers über das Thema diskutieren, wie es eine Reihe Ihrer Kollegen aus allen politischen Lagern mit zum Teil sehr gegensätzlichen Argumenten auch tun. Aber diese schnodderige Art, das Thema als Hirngespinst eines Psychopathen abzuqualifizieren, ist einfach zum Kotzen! Man fragt sich, wie weit sich unser Sozialminister schon von der Wirklichkeit entfernt hat. Und plötzlich erscheint vor dem inneren Auge das Bild vom sabbernden Honecker, der selbst im Augenblick des Untergangs in krankhafter Verdrängung der Realität immer noch stramm seine Parolen absonderte…

Es ist ja nicht so, dass hier irgendwelche politischen Fanatiker eine Idee in die Welt gesetzt haben, die die Grundfesten unserer Demokratie erschüttern sollen. Zu den Vordenkern und Fürsprechern einer Umverteilung der Rente zählen renommierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, also Leute, die sich dem Thema von Berufs wegen rational und ohne politisches Kalkül nähern. Von unseren Regierungsvertretern sollte man ausreichend geistige Flexibilität und Weitblick erwarten dürfen, sich einem der Kernprobleme unserer Gesellschaft in einer ausführlichen und offenen Debatte zu stellen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte besser abtreten und seinen Lebensabend in Puschen vor dem Kamin verbringen.

Comments are disabled for this post