Puuh, was war das denn gestern abend? Mein Finger verirrte sich, was in letzter Zeit selten genug vorkommt, auf der Taste 1 der Fernbedienung und plötzlich war ich mitten drin im Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Zuerst dachte ich noch »Hey Klasse, Thomas Hermanns, das verspricht gute Comedy!«, aber die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Die Kamera schwenkte, und ins Bild kam der seit 30 Jahren unverändert durch die Programme geisternde Schlafzimmerblick von Vicky Leandros, die uns gerade anvertraute, wie gerne sie doch Deutschland in Athen vertreten würde. Mit dem Lied??? Mensch Mädel, wo lebst du eigentlich? Wenn du dir kein Flugticket nach Griechenland mehr leisten kannst, dann pump doch Tony Marschall oder Roberto Blanco an, aber verschone uns mit diesem Gelulle. Ich frage mich, in welcher geschlossenen Anstalt die Entscheidung getroffen wurde, das Lied überhaupt in die Endausscheidung zu nehmen.
Und dann das Modern-Talking-Überbleibsel Thomas Anders… Ich meine, der Mann war ja wirklich tapfer, wie er das mehrfache Ausbleiben des Playbacks weggesteckt hat. Das war’s dann aber auch, was mir an lobenden Worten dazu einfällt. So ein schlaffes Gedudel wäre ja nicht mal Bohlen in seinen schlechtesten Zeiten eingefallen. Oh Mann, steht es denn wirklich so schlecht um das deutsche Musikgeschäft? Man stelle sich vor, Leandros oder Anders hätten wirklich gewonnen. Wir hätten uns bis auf die Knochen blamiert. Und das, wo uns doch dieses Jahr bei der Fußball-WM sowieso noch ein Desaster bevorsteht.
Zum Glück haben wir Olli Dittrich. Der hat zwar seine besten Zeiten als Comedian hinter sich, aber das Lied, das er mit seiner Combo »Texas Lightning« abgeliefert hat, war irgendwie erfrischend. Ok, ohne Grand-Prix-Teilnahme wären die Chancen auf Platz eins der Single-Charts vermutlich eher dürftig, aber immerhin kann man sich den Song mehrfach anhören, ohne Magengeschwüre oder Durchfall zu kriegen. Mir gefällt er sogar. Viel Glück Dittsche!
Comments are disabled for this post